Schwerpunkt

Psychotherapie in türkischer Erstsprache

 
Worte waren ursprünglich Zauber, und das Wort hat noch heute viel von seiner alten Zauberkraft bewahrt. Durch Worte kann ein Mensch den anderen selig machen oder zur Verzweiflung treiben […] Worte rufen Affekte hervor und sind das allgemeine Mittel zur Beeinflussung der Menschen untereinander.“
S. Freud (1916/17)
 

Sehr oft wird von meinen türkeistämmigen Patienten angegeben, dass die Therapie in ihrer Erstsprache viel direkter, emotional stärker besetzt und effektiver erlebt wird. Das Deutsche wird als fremd empfunden, was mehr Distanz aufbaut. Dies gilt auch für die Fälle, in denen die Betroffenen der deutschen Sprache mächtig sind. Die Therapie in der Erstsprache erfüllt sehr viele wichtige Funktionen. Es schafft auf beiden Seiten Sicherheit, Akzeptanz, signalisiert Interesse und vermittelt so ein positives Gefühl von Vertrautheit. Diese Faktoren sind ausschlaggebend für die Funktion auf der Sachinformationsebene, der Ebene der Selbstoffenbarung und zur Herstellung der Beziehung zum Therapeuten. Diese Funktion kann die Erstsprache aber nur erfüllen, wenn der Berater auch über das kulturelle Hintergrundwissen verfügt.

Erstaunlicherweise betrifft das auch die Angehörigen der zweiten Generation, die überwiegend die Erstsprache als Beratungsmedium bevorzugen, beziehungsweise immer wieder zwischen ihr und dem Deutsch hin und her „switchen“ (engl.: schalten, umschalten).